Jungfrauenmilch

LITHOGRAFIE

 

Feucht und kalt und heiß und trocken das Werk am Stein; so kämmen die Hände den Tau von der Stirn. Gesichter reiben die Finger dem Kalk. In der glitzernden Feuchte senkt sich der Ruß. Heiliger Ruß, seine Schwärze sieht alle Farben voraus. Korn um Korn legt sich zum Bild. Jungfrauenmilch komme, Dein Gummi allein vollendet das Werk. Die Lithografie, zugleich gemalt mit Wasser und Öl, ein leuchtendes Geheimnis noch heute.

 

Bodo Rott, Sommer 2013

Zorn 2013
65 x 50 cm
Lithografie 3 Farben
Auflage 30
Modenschau 2012
65 x 50 cm
Lithografie 3 Farben
Auflage 30
Stolz 2011
65 x 50 cm
Lithografie 2 Farben
Auflage 20
Um die Wette 2011
65 x 50 cm
Lithografie 3 Farben
Auflage 30

Die Todsünden / The Deadly Sins 

Jungfrauenmilch  2010

(22 Lithografien)

 Der Titel Jungfrauenmilch fasst sehr treffend die beiden Elemente, die meinen Bildern die Dynamik liefern:

1. das Ensemble der Nichtkinderkinder (Figuren am Rande der Geschlechtlichkeit) 

2.das Formlose und Ungetaufte des Materials Farbe (der leuchtende Schlamm), dem die Figuren ausgesetzt sind. 

 

Der Begriff Jungfrauenmilch entstammt der Alchemie, die ich mag, an die ich allerdings nicht glaube. Sie erreichte einen Höhepunkt, als die Malerei, die ich mag, eine erste Blütezeit erlebte und ging etwa zur gleichen Zeit unter, als diese Malerei ihre Gravitationskraft verlor. 

Die Alchemie, bekanntermaßen der Suche nach dem Stein der Weisen verschrieben, fußte auf der Annahme, daß hinter den Erscheinungen der Lebenswelt ein Grundstoff liegt, die Prima Materia, die mit verschiedenen Zutaten in alles verwandelt werden könne. 

Ich habe festgestellt, dass diese Auffassung eigentlich meiner Auffassung von Malerei entspricht. Der leuchtende Schlamm der Farbe ist meine Prima Materia, der ich den Anschein von allem verleihen kann, auch den ihrer selbst. 

 

In der Alchemie bezeichnet die Jungfrauenmilch das universale Lösemittel, das die Arbeit verrichtet, ohne dass die Hände aktiv werden. Die Alchemisten nennen sie auch „unsren Gummi“. 

 

Auf ihre Weise dreht sich in der Lithografie ebenso alles um den 

(Litho-) Stein. Er ist der plane Träger der Zeichnung, die, vom Künstler darauf entworfen, noch lange nicht brauchbar, sondern erst vom Hilfsmittel Gummi (Arabicum) -gemischt mit Säure- druckfähig gemacht wird. Da ich in dieser Ausstellung ausschließlich Lithografien zeige, liegt hier der dritte Grund für meine Titelwahl. 

 

Außerdem gefällt er mir, weil er in heutigen Ohren ein wenig unanständig klingt.

 

Bodo Rott

München 2010

Schwebung 2010
65 x 50 cm
Lithografie 3 Farben
Saft und Salz 2010
65 x 50 cm
Lithografie 2 Farben
Ouroboros 2010
65 x 50 cm
Lithografie 2 Farben
Haus 2010
65 x 50 cm
Lithografie 5 Farben
Das Kämmen des Taus 2010
65 x 92 cm
Lithografie 3 Farben
Salamander 2010
92 x 65 cm
Lithografie 2 Farben
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